Meisterwurz - der Ginseng Tirols
Meisterwurz kennt jeder im Alpenraum. Viele wissen es nur nicht. Er wächst am Feldrand praktisch überall rund um uns herum. Für unsere Alchemisten ist er immer noch etwas ganz Besonderes. Schlicht, bescheiden, einfach und dabei so stark und vielseitig, dass er seinem Namen gerecht wird. Lest hier, welch große Wirkung in dem Kraut und seiner Wurzel steckt.
Kräutersteckbrief Meisterwurz
Der Unscheinbare am Wegrand
Meisterwurz auch Bergwurz oder Kaiserwurz genannt, ist eine krautige Pflanze. Sie wächst üppig an Feldrändern und feuchten Hochstauden Fluren. Die 30 bis 100 Zentimeter hohe Pflanze blüht weiß und gehört zur Gattung der Doldenblütler. Im Vorbeigehen vernimmt der aufmerksame Beobachter den stark würzigen Duft nach Karotte und Sellerie. Ihr habt sie vermutlich schon gesehen. Mancher sieht lediglich Unkraut in ihr. Weit gefehlt! Die Wirkstoffe und natürlichen Aromen dieser Pflanze haben es in sich. Nicht umsonst wird sie als Ginseng Europas bezeichnet und war lange Zeit fester Bestandteil jeder Tiroler Hausapotheke. Meisterwurz hat einen wirren, dick braunen Wurzelstock. Wenn man ihn anschneidet, gibt er seine milchige Flüssigkeit frei. Diese Wurzeln sind genau das, was zu Tee, Schnaps und Aufguss verarbeitet wird. Für unseren Meisterwurz Geist verwenden wir nur die braunen, dick-spindelförmigen Wurzeln der Pflanze. Diese werden von Bauern gegraben und grob gereinigt angeliefert.
Aus der alten Tiroler Hausapotheke
Der alte Spruch der Tiroler Alchemisten, Meisterwurz sei der Ginseng Europas, kommt nicht von ungefähr. Tirols Kräuterbauern schwören seit jeher auf das Kraut. Seit Jahrhunderten wird die Wurzel bei verschiedenen Erkrankungen im Bronchialbereich angewandt, als Tee oder äußerlich zur Inhalation. Wichtig ist er auch für den im Verdauungstrakt. Meisterwurz soll gegen Appetitlosigkeit, Magenverstimmungen, Blähungen und Magenkrämpfe helfen.
Meisterwurz wurde und wird auch als Fiebermittel und zur Steigerung der Abwehrkräfte des Körpers eingesetzt. Ältere Menschen trinken den Tee gegen Schwächezustände. Manche Quellen sprechen der Wurzel sogar eine potenzfördernde Wirklung zu. Wir haben in unserer Kräuterbücher-Bibliothek gestöbert und einen interessanten Auszug gefunden:
"[...]...häufig findet man auch die Verwendung als Gicht- und Rheumamittel. Der Meisterwurz ist wassertreibend und wirkt schweißabsonderndes [...] " Zitat aus "Das große Buch der Heilpflanzen - Apotheker M. Pahlow - Verlag Gräfe und Unzer - 1979. An dieser Stelle möchten wir aber darauf hinweisen, dass dies keine Empfehlungen unsererseits sind, sondern alt überliefertes Kräuter Wissen. Solltet ihr Beschwerden haben, bitte immer Arzt oder Apotheker konsultieren.
Rezept Meisterwurz Tee
Dazu braucht ihr getrocknete Wurzel des Meisterwurz. Nehmt Drei Teelöffel klein geschnittene Wurzel und lasst sie in etwa 400 Milliliter kaltem Wasser 2 Stunden ziehen. Dann erhitzt ihr das Ganze langsam bis zum Kochen. Lasst es nur einen Augenblick lang aufkochen und nehmt den Tee dann vom Herd. Lasst ihn weitere 10 Minuten zugedeckt ziehen. Schließlich seiht den Tee ab, gebt einen Spritzer frischen Zitronensaft zu und fertig ist der Meisterwurz Tee. Er sollte am besten zwei mal am Tag getrunken werden.
Ginseng aus Tirol - der Meisterwurz Geist
Für unseren Geist verwenden wir nur die Wurzeln, die nach sorgfältiger Reinigung in Alkohol eingelegt werden. Dort bleiben sie einige Wochen. Wir sprechen vom Vorgang der Mazeration, bei dem eine aromatische Tinktur reift, die wir destillieren. Ergebnis ist ein reiner Geist. Die Wurzel enthält Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz und Cumarin. Dies gibt einen sehr herben, erdigen Geschmack, der gleichzeitig würzig und frisch ist. Getrunken wird er wie jeder gute Schnaps pur, auf keinen Fall Kühlschrank gekühlt, aber auch nicht zu warm. Bei etwa 20° C entfaltet er seine Aromen am besten.
Auf euch!
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